Georgien: Deutsches Konsulat schickt zwei Frauen zurück ins Kriegsgebiet - Kontoauszug holen
Unbeeindruckt von den Lippenbekenntnisse deutscher Politik über die angebliche Hilfsbereitschaft Deutschlands im Konflikt zwischen Russland und Georgien setzt die diplomatische Vertretung der Bundesrepublik in Georgien ihre Arbeit wie gewohnt fort. Bürokratisch.
Wie Rusprom mitgeteilt wurde, hat das deutsche Konsulat zwei Frauen ins unsichere Grenzgebiet zurückgeschickt, aus dem sie zwei Wochen zuvor geflohen waren. Die Region um die westgeorgische Stadt Sugdidi (Grenzstadt zu Abchasien) wurde kurz nach Kriegsausbruch von russischen Truppen besetzt. Es handelt sich dabei um eine mit einem Deutschen verheiratete Georgierin mit Aufenthaltserlaubnis für Deutschland und um ihre Mutter. Auf Einladung des Ehemanns stellte die Mutter beim deutschen Konsulat ordnungsgemäß Antrag auf ein Besuchervisum. Doch angeblich auf Grund fehlenden “Nachweises der Verwurzelung im Heimatland” wurde der Antrag nach dritter Vorsprache in der Visastelle zurückgewiesen.
Die Abfolge der Unterlagen, wie sie bei jeder Vorsprache nachgefordert wurden, lässt auf Schikane schließen. Zunächst wurde der Nachweis des Eigentums an einem Haus oder Grundstück in Georgien verlangt. Dann die Erklärung des einladenden Schwiegersohns, in der er sich verpflichten sollte für die rechtzeitige Rückreise der Besucherin zu sorgen, wobei dies bereits durch die vorhandene Verpflichtungserklärung gewährleistet ist. Als die entsprechenden Unterlagen bei dritter Vorsprache vorgelegt wurden, verlangte die Leiterin der Visastelle Theresa Holzel zusätzlich einen Kontoauszug, um sich so den Einblick in die Vermögensverhälltnisse der georgischen Antragsstellerin zu verschaffen. Dies sei als weiterer “Nachweis der Verwurzelung” erforderlich. Da die Antragsstellerin - wie so viele Georgier - kein Bankkonto besitzt, musste sie über die von Gefahren umwitterte Bergstraße via zerbombte Stadt Gori nach Sugdidi zurück reisen. Der Weg nach Deutschland, wo sie ihren Schwiegersohn und Tochter besuchen wollte, scheint nicht leicht zu sein..
Ob es sich um ein wirklich wichtige Unterlage handelt? Russprom wollte dazu Recherche anstellen, doch das Telefon der Zentrale des Konsulats war besetzt. Der Versuch, sich über die Botschaft verbinden zu lassen scheiterte am Unwillen der Angestellten der Botschaft, die ihren Namen nicht nennen wollte. Zu den Schwierigkeiten, auf die fliehende Georgier bei den deutschen Behörden stoßen, ist ein Blog geplant. Offensichtlich ist es unter aktuellen politischen Umständen ein besonderes Problem. Denn laut Angaben der Leiterin der Visastelle Theresa Hoelzel, die sie gegenüber dem Einlandenden im geschilderten Fall machte, wird dem “Nachweis der Verwurzelung im Heimatland” “insbesondere auch in der momentan unruhigen und unübersichtlichen Situation in Georgien” noch größerer Wert beigemessen.
Näheres zu dem Blog erfahren Sie morgen. Für Journalisten und zwecks Kontaktvermittlung zu den betroffenen Georgiern gibt RUSPROM gerne Auskunft.
